Informationsportal rund um die arabische Welt von Nordafrika über die Länder des fruchtbaren Halbmonds bis an den Golf und nach Zentralasien

Sie sind hier: Home - Ausstellungen

Tourismus und Reisen
Kunst und Kultur
Literatur, Fach- und Sachbücher, Reiseführer, Buchtipps und Themendossiers
Arabic-Music.de / Arabische-Musik.de
Ausstellungen zu Afrika und Asien (Schwerpunkt Nordafrika und Naher- bzw. Mittlerer Osten)
Aktuelle Informationen und News
Termine (Ausstellungen, Kongresse, TV)
Wirtschaft
Service: Links, Postkarten, Newsletter, Kontakt
Suche
Kontakt / eMail
Mehr Informationen zum Thema

Zürich: Traumwelt Tibet - westliche und chinesische Trugbilder

Schloss Schallaburg: Geheimnisvolle Welt des Alten Tibet

Artikel empfehlen

FERNER OSTEN

Tibet - Buddhas · Götter · Heilige

Die über 750 Objekte umfassende Sammlung tibetischer Kunst des Hamburger Theologen und Galeristen Gerd-Wolfgang Essen ist eine der berühmtesten der Welt. Seit 1998 im Besitz des Museums der Kulturen Basel wird diese nun der Öffentlichkeit vorgestellt.

Bodhisattva Vajrapâni Plastik, Hohlguss aus Messing, Höhe: 19 cm Tibet, ca. 14./15. Jh. IId 13938 (Essen I-96)
© MKB

Bodhisattva Vajrapâni Plastik, Hohlguss aus Messing, Höhe: 19 cm Tibet, ca. 14./15. Jh. IId 13938 (Essen I-96)

Im Gegensatz zum Hinayâna-Buddhismus der Südostasien seine Verbreitung gefunden hat kennt die tibetische Variante des Buddhismus, in deren Mittelpunkt der Religionsgründer Siddhartha Gautama als Buddha Shâkyamuni steht, eine kaum überschaubare Zahl weiterer Buddha-Gestalten. Der historische Buddha Shâkyamuni steht dabei in einer zeitbezogenen Reihe sogenannter "Erleuchteter", die sich von den vierundzwanzig Vorzeitbuddhas zum Zukunftsbuddha Maitreya und seinen neun Nachfolgern im nächsten Weltzeitalter hinzieht. Daneben erscheinen in der Kunst Tibets häufig jene fünf Buddhas, die man Tathâgatas ("Vollendete") nennt, weil sie zeitlos und stets präsent sind.

Die heiligste Buddha-Figur Tibets befindet sich im Haupttempel von Lhasa, dem Jokhang. Es ist eine, bereits im 7. Jahrhundert ins Schneeland gelangte, eineinhalb Meter große Bronzeplastik des historischen Buddha Shâkyamuni, von den Tibetern ehrfurchtsvoll Jowo Rinpoche ("Herr und kostbarer Lehrer") genannt.

Die Einführung in die Lehren des Buddhismus, besonders in die der geheimen Bereiche des esoterischen Glaubenssystems, verlangt einen erfahrenen Meister, denn die nur sehr schwer verständliche Sprache und nebst den mystisch magischen Inhalten der esoterischen Texte, der sogenannten Tantras, erlauben keine wörtliche Auslegung. Manche dieser Lehrmeister zogen eine zahlreiche Anhängerschaft an, die sich zu Mönchsgemeinschaften formierten und aus denen die heutigen vier großen Schulrichtungen Tibets entstanden.

Bodhisattva Avalokiteshvara Plastik, Hohlguss aus Bronze, Höhe: 67 cm Tibet, 15./16. Jh. IId 13927 (Essen I-39)
© MKB

Bodhisattva Avalokiteshvara Plastik, Hohlguss aus Bronze, Höhe: 67 cm Tibet, 15./16. Jh. IId 13927 (Essen I-39)

Da auch heute noch die Unterweisung und Initiation durch eine führende geistige Persönlichkeit unerlässlich für das Beschreiten des spirituellen Weges ist, wird den Lehrmeistern, den sogenannten Lamas, hohe Wertschätzung zuteil weshalb die tibetische Ausformung häufig simplifizierend als Lamaismus bezeichnet wird. Darstellungen dieser heiligen Meister begegnet man sowohl in der Plastik als auch in der Malerei Tibets.

Das göttliche Mitgefühl als zentrales Leitmotiv des tibetischen Buddhismus verkörpert durch Heils- bzw. Erlösungsgestalten, den Bodhisattvas, kann sich jedoch auch zu rasendem Zorn steigern: Je größer die Fähigkeit, den Schmerz und das Leid der Lebewesen zu empfinden und mit aktivem Mitgefühl zu lindern, um so stärker und schrecklicher ist ihre Kraft, welche sie den Feinden auf dem Weg der menschlichen Erlösung entgegenzuschleudern vermögen. Triumphierend steht er in unserem Beispiel auf allen Feinden der Lehre, seien es nun hinduistische Götter, Menschen oder Tiere.

Von den tibetischen Darstellungen zornvoller Gottheiten geht eine seltsame Faszination aus, wobei unbestritten ist, dass sie den Betrachter in ihren Bann ziehen. Die frühen westlichen Tibet-Reisenden - Missionare, Abenteurer und Forscher - missverstanden diese fremdartigen Götter wie auch die Kulte, in denen sie standen und verdammten sie als bösartige Dämonen und okkulte Götzenanbetung (vgl. Traumwelt Tibet - westliche und chinesische Trugbilder).

Der Sammlung Essen mit ihren rund 700 Objekten, auf denen die Ausstellung basiert, kommt eine besondere Bedeutung zu, da der Sammler den Versuch unternahm das ganze Spektrum der religiösen Kunst Tibets in die Sammlung miteinzubeziehen.

Nachdem der Sammler sich entschloss - die wissenschaftlich bereits aufgearbeitete Sammlung - zu verkaufen gelangte diese Dank eines Mäzens in die Obhut des Museums für Kulturen in Basel und erhielt somit eine eine neue kulturelle Attraktion.

Clara B. Wilpert: Tibet. Buddhas-Götter-Heilige.

Clara B. Wilpert: Tibet. Buddhas-Götter-Heilige.

Buch jetzt Bestellen

Ab Mai 2001 wird den Besuchern die Welt des tibetischen Buddhismus vorgestellt - eine Welt, deren vielschichtiges Gefüge von Symbolen, Metaphern, Gleichnissen und Kosmosvorstellungen sich in allen Objekten der Sammlung Essen spiegelt.

"Kostbares, Güte und Segen spendendes Schatzhaus" nannte der XIV. Dalai Lama die bedeutendste europäische Tibet-Sammlung, die sich seit 1998 im Museum der Kulturen in Basel befindet. Die von dem Hamburger Religionswissenschaftler Gerd-Wolfgang Essen über dreißig Jahre mit großer Kennerschaft zusammengetragene Sammlung umfaßt neben Thangkas und Kultplastiken auch klösterliche Ritualgeräte und Gebrauchsgegenstände, Textilien und Möbel für die Tempel sowie Kultornate, Tanzkostüme und Masken.

Die 750 Objekte zählende Kollektion vermag nahezu alle Aspekte des tibetischen Pantheons und der Liturgie anhand künstlerisch hochrangiger Werke darzustellen. Alle Sparten des buddhistischen Kunstschaffens vom 10. Jahrhundert bis zur Ausplünderung Tibets durch die Chinesen sind damit vertreten.

Clara B. Wilpert (Hrsg.): Tibet. Buddhas-Götter-Heilige.
4°. 160 Seiten mit 180 Abb., davon 160 in Farbe, 20 s/w. Geb.
Prestel, München 2001.

» bei Amazon.de bestellen

Informationen, Reise- und Buchtipps zur arabischen Welt von Magreb über Maschreq bis an den Persischen Golf
Länderlexikon
Termine

Museum der Kulturen Basel
07. Mai bis Ende 2001

Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag 10 - 17 Uhr,
Mittwoch bis 21 Uhr,
Montags geschlossen.

Linktipp

Antiquarische Bücher zum Thema «Tibet»

justbooks.de weiter
Buchtipp

Hans Weihreter: Westhimalaya. Am Rande der bewohnbaren Erde.

mehr Buchtipp zur Ausstellung jetzt bestellen