| Osmanische Kalligrafie aus dem Sakip Sabanci Museum, Sabanci Universität, Istanbul.
Mit "Siegel des Sultans: Osmanische Kalligrafie aus dem Sakip Sabanci Museum, Sabanci Universität, Istanbul" ist die erste umfassende Ausstellung osmanischer Kalligrafie - der Kunst des "Schönen Schreibens", einer zentralen Kunstform des Islam, die unter den Osmanen in Istanbul einen ihrer Höhepunkte erreichte - in Deutschland zu sehen. Die Deutsche Guggenheim Stiftung Berlin und nachfolgend das Museum für angewandte Kunst Frankfurt zeigen mehr als siebzig Handschriften und Kalligrafien herausragender türkischer Kalligrafen von der zweiten Hälfte des fünfzehnten bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert sowie fünf themenbezogene Ölgemälde. Die Kalligrafie ist die angesehenste Form der islamischen Kunst,
da der Koran - das Wort Gottes - durch die Schrift bewahrt und weitergegeben wird. Die Kalligrafie entwickelte sich zu einer herausragenden, traditionsreichen künstlerischen Ausdrucksform. Ihre Wirkung beruht auf der Beherrschung der Stile, die seit ihrer Entstehung ohne Unterbrechung von ausgewählten Kalligrafen an ihre Schüler weitergegeben wurden. Mit der Eroberung Konstantinopels, dem heutigen Istanbul, im Jahr 1453 weitete sich Kalligrafie auf das Verwaltungs- und kulturelle Zentrum des Osmanischen Reiches aus. Die Meister der Kalligrafie verhalfen dieser zu einer neuen Blüte und waren sowohl Künstler als auch Lehrer, häufig in Anbindung an den Hof oder durch ihn gefördert. Als Künstler kopierten sie formvollendet die Handschriften des Koran und schufen herausragende, großformatige und ausgeprägt rhythmische Kompositionen, die auch als Vorlagen für die
Inschriften der großen osmanischen Moscheen und anderer öffentlicher Gebäude dienten. Als Lehrer unterrichteten sie die nachfolgenden Generationen von Kalligrafen sowie osmanische Sultane und Prinzen. 1928, fünf Jahre nach dem Fall des osmanischen Sultanats und der Gründung der modernen, säkularen Türkischen Republik, wurde die arabische Schrift durch eine Abwandlung des lateinischen Alphabets ersetzt. Obwohl damit die traditionelle Schriftweise als Form der Kommunikation ihr Ende erreicht hatte, gelang es einer kleinen Gruppe von Künstlern, die Kalligrafie als Kunstform zu erhalten. So gibt es auch heute in Istanbul noch einige wenige Kalligrafen, die diese Kunst praktizieren und Schüler unterrichten. Die lange Kette der Übertragung der Kunst des Schönen Schreibens setzt sich damit in die Gegenwart fort. |