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AFGHANISTAN - INDIEN - PAKISTAN - LADAKH - NEPAL - KATHMANDU

Zeichnungen aus dem Himalaya

Die Ausstellung Zeichnungen aus dem Himalaya im Völkerkundemuseum Zürich bietet einen repräsentativen Querschnitt durch das künstlerische Schaffen des australischen Malers Robert Powell und ist zugleich Zeugnis der Vielfalt materieller Objekte unterschiedlicher himalayischer Lokalkulturen.

Robert Powell: Die Mauer der Beschützer, Lo Monthang, Nepal.
© VMZ

Robert Powell: Die Mauer der Beschützer, Lo Monthang, Nepal.

Seit über 25 Jahren lebt und arbeitet der australische Künstler Robert Powell in den Ländern der Region des Himalaya. Nach einem Studium der Architektur in Sydney und einigen Bauaufträgen in Europa und dem Vorderen Orient als junger Architekt zog es ihn Anfang der 70er Jahre nach Indien und von dort in die Länder des Himalaya. Fasziniert von den traditionellen Bauwerken dieser machte er sich ab 1975 daran, indigene Architekturen zu studieren und zeichnerisch zu dokumentieren.

Bedingt durch einen glücklichen Zeitumstand, die erstmalige Öffnung von Ladakh, einer Enklave tibetischer Kultur auf indischem Boden (im Hochland von Kashmir), gehörte Powell zu den ersten westlichen Besuchern dieses seit über hundert Jahren verschlossenen Landstrichs.

Ein erstes Buch über seine gezeichneten Eindrücke von Ladakh war bereits bei einem namhaften Haus in London in Druck, als unvorhergesehene finanzielle Probleme den Verleger dazu zwangen, die Veröffentlichung zu vertagen. Das Konvolut von Powells erster himalayischer Dokumentation verschwand auf einem Dachboden und wurde erst ein Vierteljahrhundert später, im Sommer 2000 mit detektivischem Einsatz wiedergefunden. Die bemerkenswerten Blätter dieser frühen Arbeiten werden nun erstmals öffentlich im Völkerkundemuseum Zürich gezeigt.

Ähnlich verlief die Geschichte von Powells zweitem Ansatz, himalayische Lokalkulturen zeichnerisch zu dokumentieren. Ende der 70er Jahre, als er auf ein Aufenthaltsvisum für Indien wartete, machte der Maler eine Exkursion in die nordwestlichen Grenzprovinzen von Pakistan. Zuerst ging er zu den Kalash, einem alten Bergvolk an der afghanischen Grenze, wo er freundlich in die Dorfgemeinschaft aufgenommen wurde. Dort zog ihn insbesondere die Lokalreligion an und ihr Reflex auf die Bauweise der einheimischen Heiligtümer, auf die symbolische Ornamentik und die magische Malerei der Kalash-Bevölkerung. Die wenigen in diesem Zusammenhang entstandenen Zeichnungen, die man als ethnographische Illustrationen kennzeichnen möchte, sind ebenfalls in der Zürcher Ausstellung zu sehen.

Von den Kalash im Distrikt Chitral begab Powell sich in ein benachbartes Tal im Distrikt Swat, wo der Einfluss des Islam bereits weiter fortgeschritten war und diese neue Fremdreligion die alten Glaubensvorstellungen und ihre jeweiligen Materialisierungen mitzuformen begonnen hatte. Powell machte sich daran, die Architektur der aus Holz gebauten Moscheen im nördlichen Swat zeichnerisch aufzunehmen und sie so wenigstens im Bild der Nachwelt zu überliefern.

Robert Powell: Manimauer mit Hörnern in Gemi, Mustang, Nepal.
© VMZ

Robert Powell: Manimauer mit Hörnern in Gemi, Mustang, Nepal.

Am Beispiel eines einzigen Gotteshauses, der sogenannten Moschee von Gabral Jaba, das Powell in einer ganzen Serie von Zeichnungen festhielt, konnte er die Vermischung aus alten Lokaltraditionen mit jüngeren islamischen Vorstellungen augenfällig zum Ausdruck bringen. Doch auch diese bildnerische Dokumentation verschwand im Dunkel der Archive. In der Zürcher Ausstellung, die mit Recht als Robert Powells erste Retrospektive weltweit bezeichnet werden muss, sind Zeugnisse dieser pakistanischen Erfahrungen des Künstlers zu besichtigen.

Kathmandu war zu der Zeit, als Powell zu Anfang der 80er Jahre kam, ein virulenter und kosmopolitischer Ort, an dem sich die verschiedenartigsten Menschen, Berufe und Interessen begegneten. Da Nepal bis Anfang der 50er Jahre ein verschlossenes Land gewesen war, kamen nun die Forscher aus allen möglichen Sparten des Wissens, um hier nach ihren Schätzen zu graben: Archäologen, Historiker, Philologen, Architekten, Linguisten und Ethnologen. Zu diesen gesellten sich Wirtschaftshelfer, Diplomaten, Kunsthändler, Abenteurer, Bergsteiger, Hippies und um religiöse Erleuchtung Suchende. Auf dem engen Raum des Kathmandu-Tales trafen all diese unterschiedlichen Menschen und Interessen aufeinander und schufen ein Klima, in dem alles möglich schien. Robert Powell machte in dieser Zeit unter anderen die Bekanntschaft von Restauratoren, Ethnologen und Archäologen, die ihn in ihre jeweiligen Problemkreise und Projekte einführten. So kam es, dass er nicht nur die einzigartige künstlerische Tradition des Kathmandu-Tales und der dort seit Jahrhunderten vorherrschenden Newar-Kultur kennenlernte und mit seinen Mitteln ins Bild setzte, sondern sich auch mit Lokalkulturen außerhalb, in den Bergregionen des Westens und Nordens zeichnerisch auseinandersetzte.

Als bislang letzte Station seines tour d'horizon des Himalaya sind die Bilder aus dem sino-tibetischen Grenzland im Norden von Yunnan (China) zu verstehen, die Powell seit etwa einem Jahr zu malen begonnen hat.

In der großen Zürcher Ausstellung Zeichnungen aus dem Himalaya spannt sich so ein Bogen, der Arbeiten nicht nur eines Vierteljahrhunderts umfasst, sondern auch in geographischer Hinsicht dieses größte Bergmassiv der Erde von Westen bis Osten gänzlich umspannt. Zugleich gibt die Rückschau von nahezu 150 Bildern einen Eindruck von der phantastischen kulturellen Vielfalt der lokalen Traditionen im Himalaya.

Robert Powell. Himalayan Drawings.
Mit Beiträgen von Michael Oppitz, Charles Ramble, Annegret Nippa, Peter Herbstreuth, Götz Hagmüller, Niels Gutschow, Clare Harris, Heather Stoddard.
4°. 304 S., 283 Abb. in Farbe und 59 Abb. s/w. Geb.
Völkerundemuseum, Zürich 2001.

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Termine

Völkerkunde-
museum der Universität Zürich Pelikanstr. 40, 8001 Zürich
bis 30. März 2002

Dienstag bis Freitag: 10:00 - 13:00 und 14:00 - 17:00 Uhr
Samstag: 14:00 - 17:00 Uhr
Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr

Linktipp

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Hans Weihreter: Westhimalaya. Am Rande der bewohnbaren Erde.

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