| Die Ausstellung des Kunsthistorischen Museums im Künstlerhaus Wien gibt einen tiefen Einblick sowohl in die Geschichte der Sammlungen des eigenen Hauses als Zeugnis der Durchdringung der Welt als auch in die Entdeckungsgeschichte der Welt durch österreichische Forscher, Sammler und Abenteurer.
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| Pulquebecher, späte Nachklassik, 15. od. frühes 16. Jhd. Sammlung Bilimek. |
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Obwohl Österreich als Kolonialmacht in Übersee relativ unbedeutend blieb so sind die heutigen Bestände in den Museen, die von österreichischen Forschern und Sammlern zusammengetragen bzw. - wie etwa Teile der Sammlung James Cook - vom Herrscherhaus angekauft wurden um so erstaunlicher. Die Ausstellung führt erstmals Objekte aus den verschiedenen Sammlungsbeständen der Museen zusammen und zeigt darüber hinaus Objekte zu den Expeditionen berühmter Forscher: Angefangen von Zeichnungen und Gemälden über Fotoalben und Tagebüchern bis hin zu käuflich erworbenen Reiseandenken und beleuchtet auf diesem Weg auch die persönlichen Motive und Hintergründe von Österreichern die sich aufmachten die Welt zu entdecken. Die Aufbereitung der rund 1000 Objekte erfolgt sowohl in der Ausstellung als auch im umfangreichen, hervorragend bebilderten Katalog auf zwei Ebenen, einer chronologischen und einer geographischen. Der erste Teil erlaubt dem Besucher einen Überblick über 150 Jahre österreichischer Entdeckungsgeschichte und schlägt dabei einen Bogen von der Josephinischen Aufklärungszeit bis hin zum Ende der K. u. K. österreichisch-ungarischen Monarchie 1918.
Besonders hervorzuheben sind im ersten Teil insbesondere die Bestände der Sammlung James Cook, einer international bedeutenden völkerkundlichen Kollektion, die 1806 im Auftrage des damaligen Herrscherhauses Kaiser Franz I. in London erworben wurde und deren Federarbeiten aus Hawaii zu den beeindruckensten Exponaten der Ausstellung gehören. Daneben hatte Österreich aber auch einen wesentlichen Anteil an der Erforschung der "Terra Australis", dokumentiert in den zahlreichen Aquarellen Ferdinand Lucas Bauers, denen heute eine umso höhere Bedeutung zukommt, das zahlreiche der gezeichneten Pflanzen bereits zu Ende des 19. Jahrhunderts ausgestorben waren. Von Expeditionen im Spannungsfeld dynastischer Erwägungen im Rahmen der Heirat der Tochter des Kaisers Franz I. mit dem späteren Kaiser von Brasilien, Dom Pedro I., zeugt der 18jährige Aufenthalt Johann Natters in
Brasilien der mit allein 15.000 Präparaten zurückkehrte. Die gezeigten Masken besitzen darüber hinaus einen heute kulturell unschätzbaren Wert, da viele indigene Gruppen Brasiliens in ihrer damaligen kulturellen Identität heute nicht mehr existieren. Einwichtiger Abschnitt ist dem Forschungsschiff "S.M. Fregatte Novara" gewidmet und der ersten Weltumseglung unter österreichischer Flagge gewidmet, deren einzelnen Stationen der zweijährigen Expedition (1857-1859), anhand zahlreicher Panoramagemälde nachvollzogen werden kann. Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich den einzelnen geographischen Regionen Afrika - Amerika, Asien und Ozeanien - wobei anhand ausgewählter Beispiele auf Forscher und Expedition eingegangen wird. So erinnert - auch im Hinblick auf die Region des Nahen und Mittleren Ostens - die Ausstellung beispielsweise an die Wienerin Ida Pfeiffer, deren
Bücher, die sie über ihre fünf abenteuerlichen Reisen (1842-1858) publizierte, auch die gebührende Aufmerksamkeit bei der männlich dominierten Gelehrtenwelt fanden und somit, wenn auch wohl völlig unbeabsichtigt, die Gleichberechtigung der Frau förderten. Eduard Glaser - österreichischer Pionier der Sabäistik - erzielte, trotz einer finanziell bescheidenen Ausstattung seiner Forschungen, beachtliche Ergebnisse bei seinen jahrelangen Forschungsreisen im Jemen, die anhand ausgewählter altarabischer Handschriften und Karten dokumentiert werden. Einblicke werden auch in die österreichisch-ägyptische "Bergwerksexpedition" nach Nubien gewährt, die der Salzburger Josef von Russegger im Auftrag des ägyptischen Vizekönigs leitete. Die geologischen Untersuchen gaben Aufschluss über zahlreiche Bodenschätze in Nubien, Kordofan, Syrien und auf der Sinai-Halbinsel. Da die Ausstellung - trotz ihres Umfangs - nur Bruchstücke aus den Sammlungen der (Wiener) Museen zeigen kann, ist diese auch interessanter Ausgangspunkt die großen Museen und ihre großartigen Schätze neu zu entdecken. |