| Durch die Erkundung neuer Handelsrouten und das damit wachsende Interesse an der orientalischen Welt wurde ab dem 16. Jahrhundert für viele Maler der Orient zum Gegenstand ihrer Kunst.
Im 19. Jahrhundert gipfelte die Entwicklung in der Herausbildung eines eigenen Genres, dem Orientalismus. Namen wie Alma-Tadema, Decamps, Delacroix, Fromentin, Gérome, Ingres, Lear und Hunt zählen zu seinen Vertretern. Und die Faszination hielt an: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bezogen auch Maler wie Kandinsky, Macke, Matisse, Klee oder Picasso das Exotische in ihr Schaffen ein. Wer die farbsprühenden Gemälde betrachtet, wird gefangen genommen von der ganz anderen Zeitvorstellung des Orients, von der ornamentalen Ästhetik, dem religiösen Leben und Riten der islamischen Völker und ihren märchenhaften Legenden. Das Orient-Thema ist immer wieder in der europäischen Malerei aufgenommen worden. Dabei haben die
Darstellungen nicht nur einen rein dokumentarischen Wert hinsichtlich des "Bildes" vom Orient, sondern sie zeigen darüber hinaus wie eigene Wünsche, Sehnsüchte und Vorstellungen auf das Morgen projiziert wurden. - Die umfangreiche (und dabei preiswerte) Monographie stellt die künstlerische Beschäftigung mit dem Orient im Laufe der letzten 400 Jahre vor. Gérard-Georges Lemaire, geb. 1948 in Paris. Studium am Institut d'art et d'archéologie sowie an der École practique des hautes études. Gérard-Georges Lemaire: Orientalismus.
Das Bild des Morgenlandes in der Malerei.
4°. 360 S., ca 350 farb. Abb. Künstlerbiographien, Glossar, Register. OLn. Könemann, Köln 2000. |