| Kommissar Llob gerät zwischen die Fronten des fundamentalistischen Terrors, hoher Politik und großem Business.
Ben Ouda, ein homosexueller Diplomat mit literarischen Ambitionen wird ermordet, die Spuren weisen auf fundamentalistischen Terror. Doch Fronten verwischen, Fäden verwirren sich und in trübem Gewässer stochern Llob und der algerische Geheimdienst auf der Suche nach so etwas wie Schuld und Verantwortlichkeit. Was sie schließlich finden, entpuppt sich als groß angelegte geheime Verschwörung, nicht die, die ein geordnete algerische Staatswesen durch einen Gottesstaat ersetzen soll, sondern die algerischer Emporkömmlinge, die nur aus einem Grund auf die Welt gekommen sind: um Geld zu scheffeln. Die erfundene Geschichte vom Millionär Faid Dahmane, den Strohmännern seines illegalen Finanzimperiums und den damit
zusammenhängenden Morden deckt tatsächliche Verhältnisse auf und lässt hinter die Fassaden der sich selbst zerstörenden algerischen Gesellschaft schauen, schildert eindringlich die Atmosphäre von Angst und Verzweiflung, Demütigung und Unterdrückung und hilflosem Aufbegehren, nennt Korruption, Verbrechen und Terror beim Namen, auch wenn die heute Mächtigen dahinterstecken. Denn Khadra schiebt die Schuld an den Zuständen nicht allein den Islamisten zu. Doppelweiss ist heute so aktuell wie 1997. Aufgrund der gegenwärtigen Umstände in Algerien zog es der Autor vor nach Frankreich ins Exil zu gehen. Dabei lüftete der Autor auch das Geheimnis um sein Pseudonym: Yasmina Khadra (geboren 1955) heißt in Wirklichkeit Muhammad Moulesshoul und gehörte bis vor kurzem als hoher Offizier der algerischen Armee an. Dabei mußte er nicht nur den
Haß der Fundamentalisten fürchten, sondern auch das herrschende Regime und seine Nutznießer, die er als Mitschuldige an der algerischen Tradödie entlarvt. Yasmina Khadra: Doppelweiss.
Aus dem Frz. von Regina Keil-Sagawe.
Nachw. u. Interview mit Yasmina Khadar von Beate Burtscher-Bechter.
8°. 158 S., OLn., Haymon Verlag, Innsbruck 2000. » bei Amazon.de bestellen » jetzt auch als Taschenbuch erhältlich Yasmina Khadra: Morituri.
8°. 159 S., OLn., Haymon Verlag, Innsbruck 1999.
8°. 176 S., Pp., Unionsverlag, Zürich 2001.
Der 1. Fall für Kommissar Llob, der von Ghoul Malek, einer mächtigen und gefürchteten "Grauen Eminenz" in Algier, mit der Suche nach dessen verschwundener Tochter beauftragt wird. Die Nachforschungen führen ihn mitten hinein in einen undurchdringlichen Filz von Politik, Terror und Verbrechen, bei dem jeder seinen persönlichen Reibach machen möchte.
Khadras Erzählstil ist knapp, der Text manchmal fast eine comicartige Persiflage der Grausamkeiten, an anderen läßt er die kaum vorstellbare Wirklichkeit unbarmherzig hereinbrechen. Die Einbeziehung politisch-historischer Fakten sowie die Schilderungen von Volkscharakter und Landschaft verstärken den Eindruck, dass hier nicht ein fiktiver Krimi vorliegt, sondern ein Zeitzeugnis und Augenzeugenbericht. Zur Trilogie, die mit Morituri beginnt, schreibt Yasmina Khadra: "Die Trilogie will eine möglichst getreue Analyse der Tragödie sein, die mein Land erschüttert." |