| Khalifati Muhammad bekam seinen Künstlernamen Cheb Mami ("Balg") in Anspielung auf seine knabenhafte Stimme verliehen. Seine klanglichen und stilistischen Experimente fordern den Rai-Liebhaber immer wieder heraus.
Der Rai erfreut sich ungebrochener Beliebtheit - nicht nur im europäischen Exil, sondern auch und gerade wieder in seiner Heimat Algerien. Cheb Mami gilt nach Khaled, dem unzweifelhaften "König" des Rai zwar nur als Nummer zwei, doch war er jedoch der Erste, der den Rai mit HipHop und Reggae angereichert hat. Damit versammelte er vor allem die jugendlichen Rai-Fans hinter sich und ist heute wohl einer der populärsten Raisänger überhaupt, was sich seit seinem bestens bekannten Duett mit Sting nur noch verstärkte. Mit seinem soeben neu erschienen Album
Dellali geht Cheb Mami nun wieder einen Schritt auf die Daheimgebliebenen zu, was sich nicht zuletzt auch im Titel ankündigt, denn im Dialekt Oran's bedeutet "Dellali" soviel wie "Liebster" und wird in den Rai-Liedern oft und gerne als bekräftigender Ausdruck benutzt. Allerdings kehrt Cheb Mami auch mit diesem Album nicht zur reinen Urform des Rai zurück, wie er sich aus den Gesängen der Beduinen ursprünglich entwickelte. Im Hintergrund lauern vielmehr die prominenten Stimmen von Sting und Ziggy Marley, der dem Song "Madanite" sein rauhes "Yeah!"einhaucht. Und Cheb Mami selbst singt sogar tieftraurige Liebeslieder zu einem Groove, von dem man Seitenstiche bekommt. Auch instrumental sorgt das Album für Abwechslung: Das traditionelle Akkordeon
ist wieder dabei, die Synthesizer sind weniger dominant als früher und müssen die orientalischen Geigen nicht ersetzen. Schließlich gelingt es Cheb Mami erneut, Soul, Funk, Reggae und die aktuellen Strömungen der Popmusik mit seiner Idee und Auffassung des modernen Rai kräftig zu würzen.
Aber auch schon mit seinem in Los Angeles produzierten Album Saida hat sich Cheb Mami so weit von der (eigenen) Verpflichtung zur Bewahrung der Traditionen des Rai befreit, dass erdie klassische Rai-Instrumentierung komplett über Bord schmiss. So fordert ein Track, bei dem der überwiegende Anteil am Computer programmiert und nicht etwa von live Musikern eingespielt wurde - wie beispielsweise das dancefloororientierte "Ma Ma" die Traditionalisten heraus, die sich damit ihrer eigenen geistigen Starre eindrucksvoll selbst überführen. Für Cheb Mami ist die Musik aber vielmehr Anlass und
Notwendigkeit für eine niemals endende kreative Suche. So bewahrt er sich selbstverständlich der arabische Sprache als Ausdrucksmittel seiner Heimat und greift auf arabische Laute oder Darbouka zurück. Mit der geschickten Vermischung von Rhythmen aus dem arabischen und westlichen Raum sowie eines Mix traditioneller und funkiger Klänge verschmelzen in der Musik von Cheb Mami die Rhythmen des Orient, Melodien von der griechischen Halbinsel, die würdevolle Melodiösität andalusischer Volkslieder und die Expressivität des Hip Hop. Mit Saida ist Cheb Mami ein Album gelungen, das in seiner Reichweite und Bedeutung zweifellos auf den globalen Pop zielt, ohne die eigene Herkunft, ohne die algerischen Identität, zu vergessen. - "Voilà, le Rai c'est chic!" "Cheb Mami, algerischer Sänger und Komponist, mischt die Tanzmusik seiner Heimat schon seit Jahren geschickt mit anglo-amerikanischen Rhythmen. Aber diesmal gelingt ihm die musikalische Synthese aus Nord und Süd noch besser als in der Vergangenheit". - (Audio) Konzerttermine:
Levallois-Perret - 08. März 2002
Clermont-Ferrand - 10. März 2002
Deauville - 23. März 2002
Sevran - 05. April 2002
Corbeil Essonnes - 12. April 2002
Noisiel - 13. April 2002 Cheb Mami: Delilla.
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