| In der Begründung der Entscheidung heißt es: "Der Buchhandel ehrt die algerische Schriftstellerin Assia Djebar, die dem Maghreb in der zeitgenössischen europäischen Literatur eine eindringliche Stimme gegeben hat.
Sie hat mit ihrem Werk ein Zeichen der Hoffnung gesetzt für die demokratische Erneuerung Algeriens, für den inneren Frieden in ihrer Heimat und für die Verständigung zwischen den Kulturen. Den vielfältigen Wurzeln ihrer Kultur verpflichtet, hat Assia Djebar einen wichtigen Beitrag zu einem neuen Selbstbewusstsein der Frauen in der arabischen Welt geleistet." Ihr Debüt als Schriftstellerin war der Roman La Soif (1957, dt. Die Zweifelnden, 1993), den sie innerhalb von zwei Monaten während der Studentenunruhen 1956 geschrieben hatte. Um ihrem Vater nicht zu missfallen nahm sie damals das Pseudonym Assia Djebar (eigentl. Fatima-Zohra Imalayène) an, dem sie bis heute treu blieb. Während des Befreiungskrieges
arbeitete sie dann für die Zeitung der antikolonialistischen FLN, al-Moudjahid. Nach der Unabhängigkeit unterrichtete sie nordafrikanische Geschichte an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Rabat (Marokko) und arbeitete gleichzeitig für die algerische Presse und das Radio. Zu Beginn der Siebzigerjahre begann Djebar dann klassisches Arabisch zu studieren, um ihre Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern. In ihren späteren Romanen bereicherte sie dann auch ihre auf Französisch verfassten Werke durch Klänge und Rhythmen des Arabischen. Ihr langanhaltendes literarisches Schweigen in den Siebzigerjahren hing einerseits damit zusammen, dass sie feststellen musste, dass sie nie eine Schriftstellerin arabischer Sprache sein würde, andererseits lag es an ihrem Interesse für andere künstlerische Ausdrucksformen; so arbeitete sie an vielen
Filmproduktionen als Regieassistentin mit. Ihre auf diese Periode folgenden Werke vereinigen Autobiografisches, historische Berichte der französischen Eroberung von 1830 und den algerischen Befreiungskrieg und mündeten in eine Tetralogie die den Maghreb in alle seinen Facetten, von Geschichte bis Gegenwart einfängt. Seit 1997 ist sie Professorin am Zentrum für französische und frankophone Studien der Louisiana State University. Ihre Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die wichtigsten Werke Assia Djebar's in deutschen Übersetzungen: Die Frauen von Algier.
8°. 187 S. TB. Unionsvlg., Zürich 1999.
Nach dem Besuch in einem Harem malt Delacroix 1832 sein Meisterwerk 'Frauen von Algerien in ihrem Gemach', das einen Blick in eine verbotene Welt wirft. 1955, zu Beginn des Algerienkriegs, malt Picasso die Frauen von Algerien auf seine Weise: als 'Feuerträgerinnen' des Widerstands. Assia Djebar greift das Thema auf und fixiert Bilder im Alltag von Frauen, die in der Ära des Umbruchs an den starren Traditionen zu zweifeln beginnen. "Die Erzählungen hauchen Delacroix' entrückten, rätselhaften und vor allem stummen Frauengestalten Leben ein, sie setzen dem exotischen Blick des Fremden auf den femininen Teil des Orients eine weibliche und algerische Perspektive entgegen." - Berliner Zeitung. » bei Amazon.de bestellen Nächte in Straßburg.
8°. 287 S. TB. Unionsvlg., Zürich 1999.
"Diese wunderbaren Zeugnisse der Sinnlichkeit suchen ihresgleichen. Djebar schreibt hemmungslos, selbstbewusst und sehnsüchtig. Die Kunst des Liebens bedeutet für sie Erkenntnis und Geheimnis zugleich." - C. Falksohn, Saarländischer Rundfunk. » bei Amazon.de bestellen Weit ist mein Gefängnis.
8°. 378 S. Geb. Unionsvlg., Zürich 1997.
Sobald sich das Gespräch der Frauen um den Ehemann dreht, ist von ihm, dem "Feind", die Rede. Seit Jahrhunderten wird dieses Wort überliefert, denn "er" ist verantwortlich für die Verzweiflung unter den Frauen. Es ist diese Verzweiflung, die auch der Erzählerin droht: 37 Jahre alt, verheiratet, Intellektuelle, wohnt in Algier und ist in Liebe zu einem viel jüngeren Berber entflammt. Schuldgefühle, unerlaubte Geständnisse und die Angst vor der Entdeckung lasten auf ihr. Nur schreibend kann sie sich von dieser Leidenschaft befreien. In "Weit ist mein Gefängnis" erschließt Djebar sowohl autobiographisch als auch historisch das Algerien, das tief in ihr verborgen liegt. » bei Amazon.de bestellen Die Ungeduldigen.
8°. 236 S. TB. Unionsvlg., Zürich 2000.
"Ungestüm kommt dieser frühe Roman von Assia Djebar daher. Eine arabische Studentin begehrt heftig gegen Tradition und Familie auf, wagt sich als Frau allein auf die Straße und geht heimlich eine Liebesbeziehung ein. Auch die Sprache der Ich-Erzählerin ist leidenschaftlich, stolz, impulsiv." - U. Jamin, BuchJournal. » bei Amazon.de bestellen Weißes Algerien.
8°. 273 S. Geb. Unionsvlg., Zürich 1996.
Weiß ist die Farbe der Städte Algeriens, der traditionellen Tücher, die Farbe der Trauer und der Erinnerung." Die 1936 geborene algerische Historikerin, Schriftstellerin und Filmemacherin Assia Djebar beobachtet und beschreibt die gegenwärtige Situation in ihrem Heimatland. Sie beklagt die Opfer der letzten Monate, zu denen nahe Freunde zählen, entwirft Lebensbilder, in denen sich Selbstlosigkeit spiegeln, aber auch rücksichtsloser Machtmißbrauch. Ihr Buch erweist sich als Bericht extremer existentieller Erfahrung. "Die algerische Tragödie hat durch Assia Djebars erschütternden Bericht ein neues Gesicht bekommen - das Gesicht von Menschen und Schicksalen, die bisher in der Anonymität der Zahlen und Statistiken untergegangen sind." - Stuttgarter
Zeitung. » bei Amazon.de bestellen Die Schattenkönigin.
8°. 213 S. TB. Unionsvlg., Zürich 2000.
Isma und Hajila: zwei Frauen des gleichen Mannes. Hajila, schweigsam, fügsam, passiv, entschließt sich zur heimlichen Flucht. Sie nimmt den Schleier vom Gesicht und geht 'nackt' hinaus auf die Straßen, in die Parks, unter die Menschen. Eine Befreiung in Angst und Schrecken. Isma hat mit dem Mann schon lange gebrochen. In ihrer Erinnerung aber tanzen noch die Bilder aus den gemeinsamen Nächten voller Liebe und Lust. Sie taucht wieder ein in eine Kindheit, die sie mit Hajila teilte, den Ausgangspunkt im ummauerten Hof des Harems. Die Schatten und Stimmen der Eingeschlossenen beginnen zu leben, ein vibrierendes Universum der Sehnsüchte und Feste wird wach. "Zwei Frauen sind mit demselben Mann verheiratet. Aber sie sind nicht Rivalinnen. Isma, die Verwestlichte, hat Hajila, eine
Jugendgespielin aus armer Familie gewählt, um an ihre Stelle bei Mann und Kindern zu treten. Sie tut es, um sich selbst aus der Ehe mit dem einst geliebten Mann zu befreien. Ein Buch der Solidarität unter den Frauen." - Una Pfau, Süddeutscher Rundfunk. » bei Amazon.de bestellen Fantasia.
8°. 329 S. Unionsvlg., Zürich 2000.
Von Stimmen und Gesängen eingeleitet oder unterbrochen, stellt sich der Roman Assia Djebars wie eine Partitur in fünf Sätzen dar. Die Kindheit einer Frau verschmilzt mit dem Bericht des ersten Algerischen Krieges (1830-1871), verbindet sich dann mit den der jüngsten Vergangenheit entrissenen Erinnerungen von Landfrauen und Witwen, die mit Scham und Demut vom Befreiungskrieg erzählen. 'Diese Frauen', so Assia Djebar, 'machen keine Literatur aus ihrem Leben; je mehr sie während des Krieges erlitten haben, um so verhaltener sprechen sie. Ich habe ihrem ungeschminkten Bericht zugehört und wollte das neunzehnte Jahrhundert für sie übersetzen, meine Stimme mit der ihren vermischen.' » bei Amazon.de bestellen Fern von Medina.
8°. 395 S. TB. Unionsvlg., Zürich 2000.
"Ein Geniestreich. Die Historikerin Assia Djebar ist mit dem Lesen von Quellen natürlich vertraut, aber wie sie sie gelesen hat, das macht die Einaligkeit ihres Konzepts aus." - B. Frischmuth. » bei Amazon.de bestellen Friedenspreis des deutschen Buchhandels 2000.
Ansprachen aus Anlass der Verleihung.
Kl 8°. 76 S. Pp. Buchhdl.-Verein., Ffm. 2000.
» bei Amazon.de bestellen Sekundärliteratur
Esther Winkelmann: Assia Djebar.
Schreiben als Gedächtnisarbeit.
8°. 172 S. Pp. Pahl-Rugenstein, Bonn 2000. » bei Amazon.de bestellen Eine kleine Vorfreude am Schluss: Für das Frühjahr 2001 ist die deutsche Erstausgabe von Oran, langue morte geplant und noch in Arbeit ist der Roman mit dem Arbeitstitel La beauté de Joseph. |