| Rund fünf große, drei kleinere und über 30 lokale Ethnien bilden das labile Gebilde, das wir als Afghanistan bezeichnen. Sie unterscheiden sich in ihrer Sprache, Kultur und Lebensweise erheblich voneinander. Rund 80 % der Afghanen sind Sunniten, knapp 18% Schiiten.
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| Rund fünf große, drei kleinere und über 30 lokale Ethnien leben in Afghanistan. |
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Die bevölkerungsmäßig größte Gruppe stellen die Paschtunen dar, der circa 45% der Gesamtbevölkerung Afghanistans angehören. Die Paschtunen kommen aus dem Süden Afghanistans aber auch jenseits der Grenze zu Pakistan findet man paschtunische Ethnien. Sie sprechen das dem Ostiranischen zugeordnete Paschtu. Trotz dem hohen Bevölkerungsanteil ist das Paschtu ursprünglich nicht die Staatssprache, sondern das Dari, eine afghanische Abwandlung des Persischen. Die Paschtunen gelten als überaus kriegerisch und in ihre virile Lebenseinstellung sehen sie sich gern als die besten Krieger der Welt.
Als eines der höchsten Güter der Paschtunen zählt die Ehre, hier vor allem die "Frauenehre", was bewirkt, dass sich paschtunische Frauen nur in Gegenwart der engsten männlichen Verwandten tief verschleiert auf die Straße begeben können. Dieses auf paschtunische Stammessitte zurück gehende Verhalten haben die herrschenden Taliban zum Gesetz für alle afghanischen Frauen erhoben. Weitere wichtige geistige Güter der Paschtunen sind das Gastrecht und der Heldenmut. Die paschtunische Gesellschaft ist von kleiner und größeren Stämmen bestimmt, wobei deren Führer wiederum ihre eigene persönliche Machtpolitik betreiben. Im Nordosten lebt traditionell die zweitgrößte Ethnie, die Tadschiken. Sie haben einen Anteil an der Gesamtbevölkerung
von circa 28%. Ihre politische Nähe zum benachbarten Tadschikistan liegt auf der Hand.
Die Tadschiken gelten als die Stadtbevölkerung der Afghanen: ein Großteil der Einwohner Kabuls zählt zu den Tadschiken. Ihre Sprache ist das Dari. Traditionell nehmen die als gebildeter geltenden Tadschiken zentrale Posten in der Verwaltung des Landes ein. Mit knapp 10% stellen die Hazara den drittgrößten Bevölkerungsanteil. Ihr Siedlungsgebiet ist das zentrale Afghanistan. Der Ursprung des Volkes liegt zweifelsfrei in mongolischer Herkunft. Diese Herkunft und ihr schiitischer Glaube lässt sie bei den meist sunnitischen Afghanen auf Ablehnung stoßen. Traditionell gelten die Hazara als relativ friedliche Getreidebauern und Hirten. Die Unmengen an Landminen, ein Überbleibsel aus der sowjetischen
Besatzungszeit, haben viele ihrer Äcker jedoch unbrauchbar gemacht. So sind in den letzten Jahren viele Hazara auf der Suche nach einer (neuen) Lebensgrundlage in die Städte, aber auch nach Pakistan, geflohen. Die Usbeken (9%) und die Turkmenen (3%) zählen zu den Turkvölkern. Diese siedeln an der Nordwestgrenze Afghanistans im Grenzgebiet zu Turkmenistan und Usbekistan. Viele dieser einst nomadisch lebenden Völker brachte die Flucht vor dem Kommunismus, insbesondere stalinistischer Ausprägung, in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts ins heutige Afghanistan. Sowohl die Turkmenen als auch die Usbeken leben halbnomadisch und ernähren sich von Schafzucht sowie vom Ackerbau. Wie auch den Hazara entziehen die Landminen ihnen einen Großteil ihrer Lebensgrundlage. |